Dein Herz spricht mit Dir

Stimme des Herzens

Von Klein auf haben wir gelernt, unserem Verstand – und nur unserem Verstand! – zu vertrauen. Gefühle sind schon in der Kindheit oft unerwünscht und gelten im Erwachsenenalter erstrecht als unangemessen. Intuition wird manchmal sogar als esoterischer Blödsinn abgestempelt. Kommt Dir das bekannt vor?

Während unsere vom Verstand geprägte Gesellschaft das Herz auf seinen mechanischen Aspekt reduziert hat, gibt es inzwischen zunehmend mehr wissenschaftliche Erkenntnisse, die dem Herzen eine eigene Intelligenz und Kommunikationsfähigkeit zusprechen. Eindeutige Hinweise dafür hat z. B. das HeartMath Institute in Kalifornien (www.heartmath.org) gefunden.

Voraussetzung: Gleichgewichtszustand

Im letzten Artikel hast Du erfahren, dass Dein Herz ein eigenes kleines Gehirn hat und Deinen Körper und Geist auf vielfältige Weise beeinflusst. Du hast gelernt, wie wichtig die Anpassungsfähigkeit des Herzen ist und wie Du mit einer einfachen Übung Dein inneres Gleichgewicht wieder herstellen kannst. Wenige Minuten genügen, und Du kannst Deinen Energievorrat auffüllen, Deine Aufmerksamkeit und Deine Konzentrationsfähigkeit steigern und Deine Fähigkeit, Stress zu bewältigen, deutlich verbessern.

Dieses Gleichgewicht (die sogenannte Herz-Kohärenz) spielt auch eine wichtige Rolle, wenn Du die Sprache des Herzens verstehen willst. Ja, Du kannst tatsächlich mit Deinem Herzen kommunizieren, allerdings nur im Zustand der Kohärenz. Dieser Zustand ermöglicht eine Verbindung zwischen Herz und emotionalem Gehirn – dort wo Gefühle, Intuition, aber auch das autonome Nervensystem zu Hause sind.

Wie Du mit Deinem Herzen Kontakt aufnehmen kannst

Wenn Du wissen möchtest, was Dein Herz Dir sagen will, kann Dir die folgende Übung Klarheit verschaffen, die ebenfalls vom HeartMath-Institute stammt. Mit ihr findest Du den Zugang zu Deiner inneren Stimme:

  1. Herz-Kohärenz herstellen
    Zweimal tief einatmen und langsam bis zum Ende ausatmen. Das Herz (oder die Brustregion) fokussieren und „durch das Herz“ atmen (frische Luft und Energie einatmen, alten Ballast ausatmen).
  2. Eine Frage stellen und die Antwort des Herzens abwarten
    Die gestellte Frage darf in diesem Fall keine offene Frage sein, sondern eine einfache ja/nein-Frage, also eine Entscheidungsfrage. Beispiele: „Will ich das wirklich?“ oder „Soll ich das machen?“ oder „Ist dies der richtige Weg für mich?“. Die Kunst besteht darin, nichts zu denken, sondern sich nur auf das Herz zu konzentrieren und auf ein Signal zu warten. Dies kann sich z. B. so äußern:
    – Es wird wärmer in der Herzgegend, oder es fühlt sich so an, als würde sich das Herz oder sogar der ganze Brustkorb ausdehnen. Dies ist ein Signal für eine positive Antwort des Herzens, also ein JA.
    – Fühlt es sich hingegen eher so an, als würde sich das Herz zurückziehen und verschließen, dann lautet seine Antwort NEIN.

Bessere Entscheidungen treffen

Was Dein Herz antwortet, solltest Du natürlich immer im Gesamtkontext interpretieren. Es gibt ganz normale Gefühlsschwankungen, die nicht immer sofort ein Anlass für Veränderungen sein müssen. Vielleicht kriselt es gerade nur vorübergehend oder Deine Stimmung ist auch mal sehr ausgelassen. Trotzdem kannst Du die Sprache Deines Herzens immer mit in Deine Entscheidungen einbeziehen, und schauen, ob Herz und Verstand im Einklang sind.

Falls Du die Sprache Deines Herzens nicht sofort wahrnehmen kannst, lass Dich nicht beunruhigen. Je mehr Du gelernt hast, Deine Gefühle durch Deinen Verstand zu kontrollieren, desto mehr hast Du die Fähigkeit verlernt, die Signale Deines Herzens und Deines emotionalen Gehirns zu hören. Wenn Du als Kind gelernt hast, dass Gefühle nicht erwünscht sind, ist es für Dich zur Routine geworden, Gefühle zu unterdrücken. Dadurch hast Du vielleicht den Zugang zu Deiner inneren Stimme (zumindest vorübergehend) verloren und hast z. B. Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen.

Menschen, die schwer Entscheidungen treffen können, wägen zigmal pro und contra ab, finden immer mehr Fakten, die dafür oder dagegen sprechen, und können dennoch zu keiner Entscheidung kommen. Es fehlt die innere Instanz, die Klarheit schafft und die die Sicherheit gibt, später nichts zu bereuen, selbst wenn eine Entscheidung sich nicht als optimal herausstellt. Wenn Dir das bekannt vorkommt, brauchst Du vielleicht etwas mehr Übung, um den Zugang zur Stimme Deines Herzens wieder zu finden. Aber es ist jederzeit möglich, das was Du verlernt hast, wieder neu zu lernen.

Ein hilfreicher Weg dorthin ist die Stille. In der Stille kannst Du lernen, die Stimme Deines Herzens zu hören. Zeiten der Stille müssen allerdings bewusst einplant werden, denn in der Hektik und Informationsüberflutung des Alltags stellt sich diese leider nie von selbst ein. Oft ist die Stille zunächst ungewohnt und fühlt sich geradezu unangenehm an. Viel leichter ist es dann, sich mit irgendetwas abzulenken. Das allerdings ist der sicherste Weg, sich selbst den Zugang zur inneren Stimme zu versperren. Auch gibt es Menschen, die die Augen lieber vor dem verschließen, was in ihrem Inneren abläuft. Falls das auf Dich zutrifft, soll dieser Artikel ein Anstoß sein, Dir die Frage zu stellen, ob Du das beibehalten oder ändern willst.

2 Gedanken zu „Dein Herz spricht mit Dir

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*