Gesundheit neu denken

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUm neue Sichtweisen zu entwickeln hilft es, den Standpunkt zu verändern oder zumindest die Blickrichtung zu wechseln. Genau das meine ich mit der zweiten Seite der Medaille: Wenn ich immer auf die gleiche Seite schaue, sieht die Medaille natürlich auch immer gleich aus. Wenn ich mir nie die Mühe mache, einmal auf die andere Seite zu schauen, werde ich felsenfest davon überzeugt sein, dass die Medaille genau so aussieht, wie ich sie von der immer gleichen Seite wahrnehme.

Vielleicht kennst Du das auch von Diskussionen mit anderen Menschen über ein beliebiges Thema: Jeder ist 100%ig von der Richtigkeit seiner Sichtweise überzeugt und versucht, den anderen ebenfalls von dieser Sichtweise zu überzeugen. Sehr oft ist es jedoch einfach so, dass beide Recht haben, weil jeder aus einer anderen Perspektive auf die Angelegenheit schaut. Es gibt also oft kein ein Entweder-oder, sondern sehr oft ein Sowohl-als auch. Trotzdem ist das meist sehr schwer zu erkennen, wenn man nicht bereit ist, den eigenen Standpunkt zu verändern und damit eine andere Perspektive einzunehmen.

Ich sehe auch beim Thema Gesundheit eine zweite Seite der Medaille. Sehr viele Menschen kennen bisher nur eine Seite, und zwar die, die ihnen von klein auf vermittelt wurde, und die sie nie hinterfragt haben. Es ist die Seite der Medaille, die wir in der Schule gelernt haben, über die in den Medien berichtet wird, die mit wissenschaftlichen Studien belegt ist, die von Experten vertreten wird, und die man selbst auch nur annähernd beurteilen kann, wenn man über das entsprechende Fachwissen verfügt. All das zeichnet die scheinbar ausschließliche Richtigkeit aus. Die Richtigkeit möchte ich hier auch gar nicht anzweifeln, aber die Ausschließlichkeit. Sie äußert sich darin, dass nur die dazu passenden Methoden offiziell anerkannt werden, und alles andere den Stempel der Scharlatanerie erhält.

Ein paar Fragen sollen dazu anregen, die bekannte Gesundheits-Medaille einmal umzudrehen:

Was wäre, wenn Gesundheit und Krankheit keine Gegensätze sind, sondern gleichzeitig existieren?

Das würde bedeuten, dass Du nicht entweder krank oder gesund bist, sondern Dich quasi in einem räumlichen Kontinuum bewegst. Dein Zustand wäre dann nicht entweder gesund oder krank, sondern Du würdest so leben oder Dich verhalten, dass Du Dich in die eine oder andere Richtung bewegst. Vielleicht hast Du eine gesundheitliche Einschränkung, aber bist Du deswegen krank?

Die Dualität von Gesundheit und Krankheit bringt es mit sich, dass Kriterien für Krankheiten definiert werden müssen, um diese zu diagnostizieren. Und genau das manifestiert dann den Zustand einer Krankheit. Wenn Du weißt, dass Du eine „Krankheit“ hast, wirst Du Dich vermutlich anders fühlen, als wenn Du nichts davon weißt. Viele Menschen sind nur deswegen krank, weil sie diagnostische Kriterien erfüllen, die vollkommen willkürlich sind (und auch immer wieder geändert werden). Wenn es nur zwei Kategorien gibt, muss ja irgendwo die Grenze gezogen werden. Tatsächlich gibt es aber nicht nur „krank“ oder „gesund“, sondern es gibt noch ganz viel dazwischen.

Was wäre, wenn Du selbst zur Heilung von Krankheiten beitragen könntest?

Das würde bedeuten, dass Du selbst Einfluss auf Deine Gesundheit nehmen könntest und dass Du nicht nur auf die Schulmedizin oder andere Verfahren „von außen“ angewiesen wärst. Es würde Dich unabhängiger machen und weniger in einen Zustand des Ausgeliefertseins bringen. Du müsstest nicht mehr darauf hoffen, dass die Ärzte und Therapeuten es schon richten werden, oder dass das Schicksal es gut mit Dir meint, sondern Du könntest selbst einen Beitrag zum Gesundwerden leisten. Es würde Deine Selbstverantwortung herausfordern, aber Dir auch Autonomie verschaffen. Die Menschen, denen das zu unbequem ist, wollen davon nichts wissen. Die anderen sehen es als Chance und setzen sich in Bewegung.

Was wäre, wenn Medikamente nicht gesund machen?

Das würde bedeuten, dass sie weniger wichtig als allgemein angenommen wären und dass etwas anderes vielleicht viel wichtiger wäre, um gesund zu werden. Der Grund dafür könnte sein, dass Medikamente nicht an der eigentlichen Ursache einer Erkrankung ansetzen, sondern nur auf der Symptomebene. Das wiederum könnte dazu führen, dass Du vielleicht trotz Medikamenten nicht gesund wirst und diese sehr lange, vielleicht sogar für den Rest Deines Lebens nehmen müsstest.

Das würde Dir vorgaukeln, dass etwas für Deine Gesundheit getan wird, aber was passiert in Wirklichkeit? Was tust Du während dessen? Außerdem könnte noch ein anderer Aspekt damit verbunden sein: Vielleicht ist es gar nicht gewollt, dass diese Frage überhaupt gestellt wird? Jedenfalls macht die Pharmaindustrie umso bessere Geschäfte, je länger sich an diesem Zustand nichts ändert und es niemand bemerkt.

Was wäre, wenn Gesundheit etwas so Individuelles wäre, dass keine wissenschaftlichen Untersuchungen dies abbilden könnten?

Das würde vielleicht nicht den Sinn von wissenschaftlichen Untersuchungen in Frage stellen, aber ihre Relevanz für den Einzelnen. Das gilt für die Aussagekraft von Statistiken ohnehin: Für den Einzelfall gibt es keine Sicherheit. Mit Unsicherheit möchte aber niemand leben, also ist es einfacher, Gesundheitszustände in Schubladen zu sortieren und sich an Studienergebnisse zu klammern.

Die Etikettierung durch einen Krankheitsbegriff ist aber wie ein Stempel, unter dem jegliche Individualität verloren geht. Sobald bestimmte Messparameter erfüllt sind, wird der Stempel aufgedrückt. Es werden Fakten geschaffen, die vielleicht gar nicht vorhanden sind, die aber eine ganze Maschinerie an Behandlung und Medikation in Gang setzen. Behandelt wird dann nicht mehr ein Mensch, sondern ein Fall.

Was wäre, wenn unterdrückte Emotionen und Konflikte die Gesundheit beeinflussen würden?

Dann wäre es wichtig, Konflikte zu lösen und Emotionen zu fühlen oder zumindest anders damit umzugehen, damit sie nicht krank machen. Umgekehrt würde es bedeuten, dass Krankheit ein Hinweis darauf ist, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist und beachtet bzw. gelöst werden möchte. Das wäre zunächst einmal unbequem, weil die Verantwortung selbst übernommen werden müsste. Aber es wäre auch eine Chance, genau hinzuschauen im Leben, wo etwas verändert werden will, damit innere und äußere Welt wieder in Übereinstimmung gebracht werden können. Vielleicht ist der Körper also nur ein Hilfsmittel, um auf ein bisher verdecktes Problem aufmerksam zu machen?

Was wäre, wenn Dein Denken Deine Gesundheit beeinflussen würde?

Das würde bedeuten, dass Du nur positiv zu denken bräuchtest, und sich schon alle Probleme in Luft auflösen würden, oder? Das wird von Anhängern des positiven Denkens jedenfalls gerne vermittelt. Aber ganz so einfach ist es nicht. Mit „Denken“ ist Deine innere Überzeugung gemeint, also vor allem das, was Du unbewusst denkst und glaubst. Diese Glaubenssätzen und daraus entstehenden „automatischen“ Gedanken, die wiederum Gefühle und Verhalten beeinflussen, können nicht einfach mal so eben umgedacht werden. Dennoch beeinflussen sie Deinen Umgang mit dem, was Dir das Leben bietet und damit auch Deine Gesundheit, so dass es sich lohnen könnte, sich damit näher zu beschäftigen.

Ich möchte mit meinen Fragen keine Behauptungen aufstellen, sondern Denkanstöße geben. Und ich werde diese Fragen sowie mögliche Antworten dazu in weiteren Artikeln verfolgen. Kannst Du die zweite Seite der Medaille sehen? Wie würdest Du diese Fragen für Dich beantworten? Gehörst Du zu den Menschen, die lieber schnell abwinken, um ja alles beim Alten belassen zu können? Oder siehst Du eine Chance darin, Gesundheit neu zu denken?
Ich freue mich über Deine Sichtweisen und Kommentare!

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