Warum es sich lohnt, die Komfortzone zu verlassen

Im letzten Beitrag ging es darum, vom „Gehirnbesitzer“ zum „Gehirnbenutzer“ zu werden. Neue Herausforderungen sind dafür wichtig, möglichst unter Beteiligung von Geist, Körper und Seele, verschiedenen Sinnen und vor allem: Emotionen! Und hier ergibt sich manchmal ein scheinbarer Widerspruch: Neue Herausforderungen bergen das Risiko des Scheiterns und für viele ist Scheitern direkt assoziiert mit negativen Emotionen. Negative Emotionen möchten die meisten von uns vermeiden – also lieber doch nichts Neues, sondern alles so lassen wie immer: in der eigenen Komfortzone bleiben eben.

Die Komfortzone ist die Zone im Leben, in der wir immer genau das machen, was wir schon immer gemacht haben. Die Krux dabei: Alle anderen Potenziale, die nicht genutzt werden, verkümmern. Jeder Muskel, aber auch jede Gehirnzelle, die nicht gebraucht wird, wird in ihrer Funktionalität immer weiter reduziert, denn das oberstes Ziel des Organismus ist es, Energie zu sparen. Unser Körper ist ein Minimalist und alles, was wir uns mit der Zeit nicht mehr zutrauen und nicht mehr tun, tun wir nie mehr!

Dadurch sinkt wiederum unser Energielevel immer weiter und wir erreichen auch immer weniger. Die Grenzen der eigenen Komfortzone werden also immer enger und enger, wir werden immer weniger beweglich, sowohl geistig als auch körperlich. Dadurch schränken wir uns selbst immer weiter ein und verlieren irgendwann die Lust am aktiven Leben. Ein Zeichen des Alterns? Der unabänderliche Gang der Dinge, der einfach seinen Lauf nimmt?

Wenn wir nichts tun, wird das sicherlich so sein, aber wir sind dem nicht ausgeliefert. Stattdessen können wir ins Handeln kommen und an den Grenzen unserer Komfortzone arbeiten, das heißt immer wieder einen Schritt darüber hinaus gehen. Wie bei einem Krafttraining tun wir immer wieder etwas, das uns ein bisschen Überwindung oder Anstrengung kostet, was neu und unbekannt ist, was uns fordert – aber nicht überfordert!

Es sollte also immer wieder ein bisschen mehr sein, als das, was in der eigenen Wohlfühlzone liegt, aber eben nicht so viel, dass wir uns komplett überfordert fühlen. Wichtig ist das Gefühl, über sich selbst hinauswachsen zu können, etwas zu erreichen, was wir uns selbst nicht zugetraut hätten. Dann können wir uns am eigenen Erfolg freuen und erkennen, dass wir uns selbst ermächtigen können. Das Schöne ist nämlich, dass wir unsere eigenen Grenzen auch wieder ausdehnen können, Dinge, die wir nicht mehr konnten, wieder neu lernen können.

Wenn wir lange fit und mobil bleiben wollen, müssen wir also immer wieder Dinge tun, die außerhalb unserer Komfortzone liegen. Ganz nebenbei steigt dabei auch noch unser Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Wir vergleichen uns nicht mit anderen, weil unser Selbstbewusstsein nicht von deren Erfolgen abhängt. Und wenn wir zufrieden mit uns sind, lassen wir uns in diesem Gefühl von niemandem beeinflussen. Uns wird klar, wir stark wir wirklich sind und was wir selbst aus uns heraus erreichen können.

Neue Herausforderungen bedeuten, die eigenen Komfortzone zu verlassen, ja, das Risiko des Scheiterns bewusst einzugehen. Manche finden das geradezu spannend, während andere Angst davor haben, sich bloßzustellen. Dann ist ein Wechsel der Perspektive hilfreich, weg von der gesellschaftlich antrainierten perfektionistischen Korrektheit hin zu einer Offenheit für Fehler und neue Erfahrungen.

Das Improvisationstheater bietet dafür eine gute Vorlage: Dort sind Fehler erwünscht, denn sie sind ein Bruch der Routine und führen zu neuen ungeahnten Entwicklungen. Perfektion ist also gerade nicht das Ziel, stattdessen werden Fehler als Chance gesehen, sich zu verbessern. Die Freude am Scheitern ist hier Programm und entsteht ganz von selbst, wenn man sich darauf einlässt. Es ist nur ein kleiner Wechsel in der eigenen Perspektive notwendig, eine andere Einstellung – zunächst nur im Spiel. Aber warum diese Einstellung nicht auch in das tägliche Leben mitnehmen und für neue Erfahrungen nutzen?

Die Fähigkeit, nach einem Misserfolg weiterzumachen, ist einer der Hauptgründe für Erfolg im Leben. Dafür ist es hilfreich, aus Fehlern zu lernen und die Vergangenheit dann abzuschließen. Wenn man dagegen weiter „in der Vergangenheit lebt“, hält die Angst vorm Scheitern davon ab, Neues zu wagen und an sich selbst zu glauben. Dann wird die Vergangenheit zur Gegenwart und man kann sich nicht vorwärtsbewegen. Dies zu erkennen und danach zu handeln ist eine der wichtigsten Veränderungen, die uns im Leben zu jeder Zeit weiterbringen.

Es ist erwiesen, dass in jedem Alter durch regelmäßiges Üben und/oder die Konzentration auf das Neue sich der Körper und das Gehirn dermaßen verändern, dass sich das Neue entfalten kann. Die Gene legen uns nicht für immer fest – wir müssen nicht das leben, was uns die Gene vorgeben. Wir sind frei und können sie dermaßen beeinflussen, dass wir ein neues Leben kreieren können. Wir müssen es nur tun, und zwar regelmäßig! Nur durch konsequentes Dranbleiben verändern wir unser Leben und durchdringen die Glaubenshypothesen, die uns alle umgeben. Wenn man das realisiert hat, stehen einem alle Türen offen.

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