Was brauchst Du zum Wachsen und Gedeihen?

WachstumAlles in der Natur wächst und entfaltet sich mühelos: Ein Keimling bildet Blätter und wächst zum Baum, eine Kaulquappe entwickelt sich zum Frosch, eine Raupe entfaltet sich zum Schmetterling. Es kostet weder Mühe noch Anstrengung. Voraussetzung sind lediglich wachstumsfördernde Bedingungen wie Licht, Wasser und Nahrung. Auch wir Menschen streben nach Wachstum, nicht nur körperlich, sondern auch geistig und seelisch.

Aber wie sehen unsere wachstumsfördernden Bedingungen aus?

Dieser Beitrag ist der 3. Teil einer Serie über die 4 Grund-Bedingungen von Gesundheit und Glück. Die ersten beiden Teile kannst Du hier nachlesen:
1. Gefühle zulassen und ausdrücken
2. Verbundenheit zu anderen Menschen

Entfaltung und Weiterentwicklung

Potentialentfaltung und Wachstum sind eine weitere Grund-Bedingung für Gesundheit und Glück. Wenn wir auf die Welt kommen, bringen wir alle unterschiedliche Potenziale mit: Stärken, Talente, Gaben, Fähigkeiten – Dinge, die uns leicht fallen, ohne dass wir viel dafür tun müssen. Allerdings müssen wir diese Potenziale entdecken und zur Entfaltung bringen. Oft jedoch übersehen wir sie, weil uns die Dinge leicht fallen und wir sie deshalb für selbstverständlich halten. Statt unsere Stärken zu entwickeln, arbeiten wir oft an unseren Schwächen, weil sie uns viel eher ins Auge fallen. Wir arbeiten, und arbeiten, und manchmal ist es sehr mühselig, voranzukommen.

Eine natürliche Entfaltung ist dagegen keineswegs mühselig. Dennoch müssen wir selbst dafür sorgen, dass sie stattfinden kann. Da unsere gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, insbesondere in der Arbeitswelt, dafür nicht unbedingt die optimalen Voraussetzungen schaffen, liegt es an uns, Wege zu finden, damit wir „wachsen und gedeihen“ können. Dazu können wir uns die Frage stellen, wie wir unserer Bestimmung gemäß leben können, also auf eine Art und Weise, die zu uns passt, damit wir jeden Tag unser Bestes geben und so handeln können, dass unsere Potenziale sinnvoll zu unserem Wohl und zum Wohle anderer genutzt werden. Was auf den ersten Blick nach einem hehren Ziel klingt, ist essenziell wichtig für unser Leben, für Gesundheit und Glück.

Wenn wir uns im Leben nicht so entfalten können, dass unsere Potenziale zum Ausdruck kommen und wir an Aufgaben wachsen können, fehlt uns eine wichtige Säule für Gesundheit und Lebensglück. Etwas überspitzt formuliert: Wenn wir der Bestimmung unserer Seele zuwiderhandeln, verkümmert unsere Seele und wir sterben innerlich viele Jahre oder sogar Jahrzehnte bevor wir wirklich tot sind. Es lebt sozusagen nur noch unsere Hülle weiter und besteht den Alltag ohne echte Lebensfreude. Deswegen ist es so wichtig, den inneren Ruf wahrzunehmen und dementsprechend zu handeln, sich also selbst treu zu bleiben. Es geht darum, herauszufinden, wer wir wirklich sind. Dann sind wir in der Lage, gut für uns zu sorgen, uns selbst zu achten, zu lieben und ein Leben in Freiheit zu leben.

Warum tun wir das nicht einfach? Oft ist es Angst, die uns daran hindert, unsere wahre Bestimmung zu erkennen und ihr entsprechend zu leben. Angst, aus dem gewohnten Alltag herauszutreten und die Sicherheitszone zu verlassen, nicht mehr das zu tun, was alle tun oder was andere (und vielleicht auch wir selbst) von uns erwarten. Doch unsere Seele verlangt nach Wachstum, so wie es von der Natur vorgesehen ist. Dieses Wachstum kann aber nur stattfinden, wenn wir uns selbst gut kennen und wahrnehmen können und uns trauen, unser Sicherheitsdenken beiseite zu lassen und dem Ruf unseres Inneren zu folgen. Wachstum heißt, das eigene Selbst, die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten zu erforschen und auch mal über den eigenen Schatten zu springen. Und dafür ist es nie zu spät.

Was bedeutet das für Dich?

Wenn Du Angst oder Unsicherheit spürst, oder wenn andere Probleme in Deinem Leben auftauchen, können diese ein Zeichen dafür sein, dass Du „vom Leben“ eingeladen wirst, Deine sichere Zone zu verlassen, oder zumindest zu erweitern, und Dich damit weiter zu entwickeln, also an einer Aufgabe zu wachsen. Probleme können auf diese Weise auch als Möglichkeiten zum Wachstum interpretiert werden, was zugegebenermaßen nicht immer leicht fällt. Wenn Du dann aber nicht davor wegläufst oder Dich ablenkst, sondern Dich den Dingen stellst, kannst Du Deine eigenen Potenziale kennen lernen und zur Entfaltung bringen. Du lernst dadurch, Deinen eigenen Horizont zu erweitern, indem Du neue Wege findest, damit umzugehen.

Natürlich „überlebst“ Du auch, wenn Du den Herausforderungen aus dem Weg gehst, aber das Glück liegt meist dahinter. Der Lohn des aktiven Herangehens ist die Freude, ein Problem gemeistert zu haben und über sich selbst hinaus gewachsen zu sein. Darüber hinaus entsteht ein Gefühl von Selbstsicherheit, auch zukünftig mit Problemen umgehen zu können. Dich Deinen Ängsten und Problemen zu stellen, bedeutet also nicht, dass Du versagt hast oder machtlos bist, sondern ganz im Gegenteil ist es die Quelle von echter Lebensfreude und Erfüllung. Nur ist es im ersten Moment eben unbequem, so dass die Versuchung groß ist, sich davor zu drücken.

Leben heißt Wachstum zulassen, denn das ist es, was die Natur vorgesehen hat. Wenn Du Dich dagegen verweigerst, bist Du schon tot, noch ehe Dein Körper zu verwesen beginnt. Deshalb erweitere ganz bewusst immer wieder Deine Komfortzone!

So kannst Du das im Alltag üben:

  1. Erstelle eine Liste von Dingen, die du gerne lernen oder über die du mehr erfahren möchtest und mache einen Plan, was davon Du als erstes angehen willst. Lerne möglichst jeden Tag etwas Neues dazu. Dein Gehirn ist wie ein Muskel, der trainiert werden muss, um neue Nervenverbindungen herzustellen und flexibel zu bleiben. Je flexibler Du wirst, desto mehr Möglichkeiten stehen Dir offen. Und damit erhöhst Du auch Deine generelle Problemlösekompetenz.
  2. Sorge dafür, dass Du immer wieder neue Erlebnisse hast und neue Erfahrungen machen kannst. Was wolltest du schon immer einmal ausprobieren und erforschen? Mache z. B. Probestunden in verschiedenen Musik- Sport- und Weiterbildungsrichtungen. Wenn Du daran gewöhnt bist, immer wieder Neues zu erleben, fällt es Dir auch leichter, mit neuen Problem-Situationen umzugehen.
  3. Ändere Deinen Blickwinkel auf Ängste, Zweifel und Probleme: Sieh das Geschenk einer Wachstumschance darin und nutze es für Deine Entfaltung. Frage Dich, was es für Dich zu lernen gibt und probiere neue Wege aus. Du kannst nichts falsch machen!
  4. Ändere Deine Sichtweise auf Fehler (eigene und fremde!). Anstatt zu hadern, sag „ja“ zu Deinen Fehlern und steh dazu. Begreife sie als Lernchance und freue Dich über zukünftige Fehler, weil sie Dich bei Deiner Weiterentwicklung unterstützten. Je eher Du Fehler machst, desto länger hast Du etwas vom Lerneffekt. Wenn Du damit nichts anfangen kann, besuche einen Kurs für Improvisationstheater.
  5. Ändere Deine täglichen Gewohnheiten, indem Du Deinen Alltag möglichst abwechslungsreich gestaltest. Benutze für alltägliche Tätigkeiten Deine andere Hand, nimm andere Wege und/oder andere Verkehrsmittel, geh an andere Orte, entdecke neue Wege oder Neues auf bekannten Wegen, lies andere Texte, höre andere Musik, kauf und iss andere Dinge als sonst.
  6. Plane weniger und handele mehr spontan, indem Du offen für den Moment bist. Zum Üben kannst Du damit in Deiner Freizeit beginnen. Mache z. B. einen Wochenendausflug ohne vorher festgelegtes Ziel. Schau einfach, was passiert und lasse Dich von dem, was Dir begegnet, einladen.
  7. Werde Dir bewusst, was deine Wünsche und Bedürfnisse sind, und frage Dich, wo Du sie bisher nicht ausgelebt hast. Finde Möglichkeiten, wie Du sie zukünftig besser leben kannst.
  8. Stelle eine Verbindung zu Deinem inneren Kind her: Nimm die Welt aus Kinderaugen wahr, mach das, worauf Du gerade Lust hast, bewege Dich spontan wie es Dir gefällt und geh alles spielerisch an.
  9. Nimm wahr, wie Du Dich bewegst, wie Du gehst, stehst, sitzt usw. Wie bewegen sich Menschen, die für Dich eine positive Ausstrahlung besitzen oder die aus Deiner Sicht erfolgreich sind? Verändere Deine Bewegungen in diese Richtung und behalte das so lange bei, bis Du Dich damit vertraut fühlst. Beobachte, wie es Dir jetzt geht und wie andere Menschen mit Dir umgehen.

Vielleicht hast Du noch mehr Ideen oder andere Vorschläge? Ich wünsche Dir einen kreativen Erfindergeist und vor allem viel Spaß beim Erweitern Deiner Komfortzone!

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