Was Hänschen nicht lernt…

…lernt Hans nimmermehr. Diese Redewendung hält sich hartnäckig, obwohl sie mittlerweile wissenschaftlich eindeutig widerlegt ist. Wir haben über 85 Milliarden Nervenzellen im Kopf mit Billionen Synapsen, die bei jedem Menschen zu einem einzigartigen Muster verbunden sind. Dieses Nervennetz entwickelt sich in der Kindheit, braucht viele Jahre, um auszureifen und wird nie „fertig“. Bei Nichtbenutzung dieses großartigen Netzwerks geht die Funktionalität allerdings immer mehr verloren, lässt sich aber zum Glück auch wieder aufbauen.

Wie wird man nun vom „Gehirnbesitzer“ zum „Gehirnbenutzer“? Wichtig ist, sich immer wieder mit Neuem zu beschäftigen, denn das Gehirn liebt Abwechslung. Dabei entstehen neue Gehirnverbindungen umso leichter, je mehr Sinne daran beteiligt sind. Wenn geistige Prozesse mit körperlicher Aktivität verbunden werden, lernt es sich leichter und nachhaltiger. Wenn dazu noch Rhythmus und Musik kommen, werden noch mehr Fähigkeiten aktiviert. Der reinste Lernturbo aber sind positive Emotionen wie Spaß, Freude und Hingabe an eine Tätigkeit.

Leider haben die wenigsten von uns in der Schule erfahren, dass Lernen einfach sein und Spaß machen kann – und diese Erfahrung sorgt dafür, dass wir auch im späteren Leben Lernen mit Anstrengung verbinden. Wenn aber die Potenziale unseres Gehirns ein Leben lang nicht wirklich genutzt werden, ist es auch kein Wunder, dass das Gehirn immer mehr abbaut – und damit verbunden unsere kognitiven und motorischen Fähigkeiten immer eingeschränkter werden. Eine unaufhaltsame Entwicklung des Alterns? Mitnichten!

Viele Studien haben gezeigt, dass sowohl geistiges als auch körperliches Training wichtig ist, um auch im Alter gesund und fit zu bleiben. Monotone, sich wiederholende Übungen, wie sie bei rein geistigen Tätigkeiten in Gedächtnistrainings oder rein körperlichen Tätigkeiten in Gymnastikkursen oder im Fitnessstudio betrieben werden, reichen aber nicht! Um die Neuroplastizität und damit die Bildung neuer Nervennetze in Gang zu halten, sind komplexere Aufgaben notwendig, die die Konzentration fördern.

Diese Voraussetzungen erfüllt das Tanzen, wobei Musik und Rhythmus die Lernprozesse ganz nebenbei unterstützen. Im Vergleich zu Lesen, Kreuzworträtseln und Kartenspielen reduziert Tanzen die Gefahr, eine Demenz zu entwickeln, am deutlichsten, nämlich um 76 %! Während bekannte Bewegungsprogramme den Abbau der weißen Gehirnsubstanz nicht aufhalten können, lässt sich durch Tanzen in dem Teil des Gehirns, der mit der Verarbeitungsgeschwindigkeit und dem Gedächtnis verbunden ist, die Gehirnsubstanz sogar wieder verdichten.

Wenn der Körper mit allen Sinnen aktiv ist, kann das Gehirn wieder neue Verbindungen herstellen – die beste Allroundmaßnahme gegen geistigen Abbau und damit verbundene Alterungsprozesse. Forscher am Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen konnten zeigen, dass Tanzen die Aufmerksamkeit und Flexibilität innerhalb eines halben Jahres signifikant verbessert. Neue neuronale Netzwerke wurden auch in den Regionen gebildet, die mit komplexen Bewegungen zusammenhängen. Beweglichkeit, Koordination und Reaktionsschnelligkeit konnten nachweislich verbessert werden. Ein weiterer Nebeneffekt: Alle Tänzer fühlten sich hinterher besser!

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